Kein Sozialkontakt an der Leine

Abends4

Das Thema beschäftigt wohl jeden Hundehalter. Besonders jene, die ängstliche oder auch aggressive Hunde spazieren führen. Mich ärgert es bei jedem Spaziergang, wenn fremde Menschen ihre Hunde einfach an unsere ran lassen. Da kann ich vorher bitten diese an die Leine zu nehmen oder im Abstand vorbei zu gehen – das wird einfach mal großzügig ignoriert. Werde ich dann aber deutlicher, muss ich mir oft so einiges anhören. Diese Menschen scheinen nicht verstanden zu haben, dass die Leine ein privater Bereich des Hundes ist, in den nicht einfach eingedrungen werden darf. Es ist eine Sicherheitszone und die Hunde verlieren ihr Vertrauen in uns an der Leine, wenn wir diesen Bereich nicht für sie schützen können. Das Ergebnis hab ich in zweifacher Ausführung. Hunde die sich an der Leine aufführen wie Rotz am Ärmel, obwohl sie eigentlich nur eines sind – unsicher. Es kommt mir manchmal vor wie ein Kampf gegen Windmühlen. An manchen Hunden können wir gut vorbei. Da wird vielleicht noch mal eine Bürste bei Diego aufgestellt, aber es wird nicht gemeckert, gekläfft, geknurrt oder tatsächlich versucht den anderen Hund anzugehen. Viele Halter machen doch mit ihren Hunden Kurse in verschiedenen Hundeschulen – ich habe noch keine erlebt, wo nicht darauf hingewiesen wurde, dass an der Leine Sozialkontakt tabu ist. Warum um Himmels Willen wird es dann außerhalb so ignoriert?

Wir haben hier zwei, drei Hunde, die auch an der Leine zu unseren dürfen. Zum einen, weil sie so ruhig und gut sozialisiert sind, dass ich mit Kayla üben kann – dass sie erst hin darf, wenn sie völlig ruhig und entspannt ist. Zum anderen aber auch, weil die Besitzer an der Leine einfach mal gar nicht reagieren und ihre Hunde machen lassen – ich diese aber selbst ganz einfach auf Abstand halten kann bis sich alle entspannt haben. Auch diese Situationen müssen geübt werden, sonst geht s im Zweifelsfall nach hinten los. ABER ich sage auch ganz klar – das sind Ausnahmen! Zu 99% gilt – Sozialkontakte sind an der Leine tabu! Nachfolgend sehr schön im Text erklärt.

“SOZIALKONTAKTE AN DER LEINE TABU

Es ist eine ganz einfache Regel: Hunde an der Leine haben an anderen Hunden nichts zu suchen, schon gar nicht, wenn der andere Hund ebenfalls an der Leine ist oder ohne zu fragen oder wenn sich die Hunde nicht kennen.

ÜBER DEN SINN UND ZWECK DER LEINE
Einfache Frage: Was ist eigentlich eine Hundeleine, bzw. wozu dient sie? Eine Leine ist „… ein Riemen … an dem ein Tier, meistens ein Hund, geführt wird.“ Da haben wir es: Die Leine ist dazu da, den Hund zu führen, ihm zu sagen oder zu zeigen, wo es lang geht. Die Hundeleine ist NICHT dazu da, dass der Hund den Menschen dahin zieht, wo er ihn haben will – das gilt natürlich und im Besonderen auch für die so weit verbreitete Flexileine.

Eigentlich würde es als Grund gegen Sozialkontakte an der Leine schon reichen, wenn ein Hundehalter sagt: „Bitte nein“ – da diese nette Bitte aber oftmals mehr Fragen und Widersprüche provoziert als Verständnis, seien in der Folge auch „handfeste“ Gründe aufgeführt, die dagegen sprechen, angeleinte Hunde zueinander zu lassen.

DIE LEINENREICHWEITE IST EIN PRIVATER BEREICH
Die Leine gibt dem Hund einen – durchaus kleinen – Radius, in dem er sich frei bewegen kann und darf – er darf aus diesem Bereich nicht raus und im Gegenzug soll auch niemand sonst in seinen privaten Bereich, seine „Schutzzone“ eindringen. Hunde, die permanent an der Leine von anderen „belästigt“ werden, empfinden logischerweise der Leinenradius nicht mehr als geschützten Bereich. Im besten Fall hat das zur Folge, dass der Hund die Leine (und damit Herrchen oder Frauchen) nichtmehr ernst nimmt, im schlechtesten Fall wird er ängstlich oder angstaggressiv, weil ihm ständig jemand in seinen Schutzbereich latscht.

DIE LEINE BIETET SCHUTZ
Viele Hunde empfinden eine Leine oftmals als Schutz, sie gibt ihnen durch die fühlbare Verbindung zum Hundehalter Sicherheit. Werden diese Hunde nun permanent von anderen belästigt, beschnuppert oder sonst wie kontaktiert, so kann das einen Hund verunsichern, er empfindet die Hundeleine, die Verbindung und letztlich seinen Menschen nicht mehr als vertrauenswürdig.

„AN DIE LEINE NEHMEN“ IST EINE AKTIVE BEZEICHNUNG
Wer den Hund angeleint hat, der gibt Richtung und Tempo vor und fordert vom Hund Konzentration auf sich selbst. Wer seinen Hund an der Leine zu anderen hingehen lässt, der tut das in den wenigsten Fällen „aktiv“ – meistens wird der Mensch vom Hund richtig gehend zum Artgenossen gezerrt. Die Folge: der Hund lernt, dass der Mensch folgt, wenn er nur fest genug zieht. Das war´s dann mit der Leinenführung.

VERLETZUNGEN SIND VORPROGRAMMIERT
Treffen sich zwei angeleinte Hunde ist das Risiko von Verletzungen relativ groß. Einerseits für die Hunde selbst – durch (spielerische) Sprünge ins Halsband, aber auch für die Hundehalter. Wem jemals ein 40kg-Hund vollmotiviert in die Leine gesprungen ist, der weiß, wovon die Rede ist: von Zerrungen, Schürfwunden oder Schlimmerem. Natürlich können sich die Hunde auch in den Leinen verheddern – die Rollleinen sind hier besonders gefährlich – und sich durch ungeschickte Befreiungsversuche eine Zerrung oder Verrenkung zuziehen.

HUNDE RIECHEN WEITER ALS DIE LEINE REICHT
„Die müssen sich auch mal beschnuppern können“ hört man. Ach… schon mal was von Mantrailing gehört? Oder von Rettungshunden? Oder von Drogenspürhunden? Was glauben Sie eigentlich, wie gut Hunde riechen können? Und sie glauben tatsächlich, ein Hund müsste dem anderen die Nase in den Hintern rammen, damit er ihn als Weibchen oder Rüden erkennt? Vielleicht möchte er das, aber müssen tut er es nicht. Ein Hund kriegt auch an der Leine und ohne direkten Kontakt alles Relevante von seinem Artgenossen mit.

DIE LEINE VERHINDERT EINE NORMALE KÖRPERSPRACHE
Was passiert, wenn ein Hund seinen Menschen in Richtung eines anderen Hundes zieht? Richtig, er zerrt… nach vorne gelehnt, keuchend, hechelnd, starrend – das sind körpersprachliche Ausdrucksweisen, die vom anderen Hund als Aggression gewertet werden können und es oft auch werden; wenn dann ein dermaßen bedrängter Hund knurrt oder den anderen lautstark zurechtweist, dann ist das Geschrei wieder groß, weil der Hund ja „nur mal eben hallo sagen wollte“.

FAZIT: KEINEN SOZIALKONTAKT AN DER LEINE
Es muss ja nichts passieren, wenn sich zwei Hunde an der Leine begegnen und aneinander rumschnuppern – aber es kann. Und es gibt einfach keinen vernünftigen Grund, warum man einen angeleinten Hund an einen anderen ranlassen soll. Man kann ihn ja einfach von der Leine lassen, wenn es denn unbedingt sein muss und der andere auch frei läuft. Es könnte so einfach sein. Wer übrigens seinen Hunden die viel beschworenen Sozialkontakte nur und ausschließlich an der Leine geben kann, der sollte vielleicht von Hundehaltung generell Abstand nehmen – das allererste und wichtigste ist und bleibt aber: Mindestens zuerst fragen, ob man die Hunde zueinander lassen darf und ein “Nein” einfach akzeptieren.

Dass ein Hund angeleint ist kann vieles und muss gar nichts bedeuten. Er kann krank sein, verletzt, mürrisch, aggressiv, ängstlich, panisch, neu beim Halter, es kann auch sein, dass es gar nicht sein Hund ist und er ihn nur ausführt – er kann Flöhe haben, er kann üben, etc. – es kann aber auch einfach nur sein, dass er an der Leine ist. Ganz ohne Grund. Und wenn man einen Hund an der Leine trifft, dann lässt man seinen eigenen nicht ran – und wenn man gebeten wird, seinen Hund ranzurufen, dann macht man das auch. Basta … da gibt es keine Diskussionen!

Text mit freundlichem Dank an Petra Leo Rominger via Hundsgemein (Facebook)”

Das Thema Hunde und Freilauf werde ich demnächst aufgreifen.

Cesar Millan

Vor einigen Monaten habe ich bereits auf elementare Fehler in der Hundeerziehung hingewiesen und eine Liste mit wichtigen “Grundregeln” zusammen gestellt, die jeder Hundehalter befolgen sollte: http://wolke205.wordpress.com/2012/10/12/fehler-in-der-hundeerziehung/

Bevor ich zu Cesar komme, möchte ich die Liste noch um einen Punkt ergänzen: Viele Menschen benutzen Flexi-Leinen (wir oft auch neben den Schleppleinen). An der kurzen Leine sollte der Hund nie ziehen oder drängeln, er geht idealerweise etwas hinter uns oder daneben. Für Flexi- und Schleppleinen sollten wir dem Hund verschiedene Kommandos beibringen, damit er weiß wann er dicht bei uns bleiben soll (z.B. Fuß) und wann er die Weite der Leine auch selbständig ausreizen und sich bewegen darf (Und los! oder Jetzt lauf!). Bei der Flexileine funktioniert es besonders gut, da der Hund hier zusätzlich zum Kommando das Geräusch hat, wenn man die Leine feststellt bzw. das Knacken, wenn man sie vollständig löst. Bitte achtet auch hier darauf, dass die Hunde unbeding an kurzer, bzw. festgestellter Leine laufen, wenn Ihr an Straßen geht oder diese überquert! Einmal nicht aufgepasst und schon steht der Hund mitten auf der Straße…

In den letzten Wochen häufen sich auf Facebook und in Foren die Diskussionen um Cesar Millan, einige Verbände von Hundetrainern fordern die Einstellung der Sendung auf SIXX. Diesem kann ich mich nicht anschließen. Für alle Keyboard – Warrior (“Tastatur-Krieger”) die sich fast ausschließlich via Youtube informieren oder das nachplappern was sie mal aufgeschnappt haben und nicht mal eine handvoll Folgen gesehen haben; werde ich nun Punkte erläutern die gerne bei ihm kritisiert werden. Natürlich auch für alle Interessierten die ihn nicht kennen oder sich noch nicht mit ihm beschäftigt haben 🙂

  • Eins gleich vor weg: es sind extreme Fälle die er in seinen Sendungen sozialisiert. Sie wurden oft jahrelang falsch behandelt von ihren Haltern, traumatisiert und in fast allen Fällen kennen sie kaum körperliche Auslastung, oft besteht der regelmäßige Spaziergang aus einer Runde um den Block…Wenn man sich an die in meinem anderen Beitrag genannten Grundregeln hält, kommt es erst gar nicht dazu.
  • “Er schlägt und tritt die Hunde, würgt sie mit den Leinen und Halsbändern oder unterwirft sie, bis sie sich nass machen!” –> Wer einen Tritt oder Schlag nicht von einer kurzen, schnellen Berührung unterscheiden kann, sollte seine Augen untersuchen lassen. Habt ihr mal gesehen, wie sich Hunde untereinander maßregeln? Sie benutzen Pfoten, Schnauze, den ganzen Körper. Er macht es nicht anders. Dass die Hunde in der Situation mal quietschen, ist völlig normal. Aber nicht, weil es ihnen weh tut, sondern weil sie überrascht sind und aus ihrer Konzentration gerissen werden. Zudem weist er auch hier darauf hin, dass es nur eine kurze, schnell Berührung sein darf und vor allen Dingen wo sie erfolgen sollte um einen Hund nicht zu verletzen. Wahr ist, dass er das benutzt, was er in den Haushalten vorfindet – also Halsbänder, Leinen, auch die Korrekturleine die er benutzt hat eine Würgefunktion. Er selbst spricht sich dagegen aus, aber mal ehrlich, bei einem aggressiven Hund der sich und andere schwer verletzen kann, was bleibt ihm anderes übrig? Sicherheit geht vor und die Hunde verstehen sehr schnell worum es geht und das sie für ruhiges Verhalten Entspannung und positive Bestätigung erfahren. Ja, er unterwirft Hunde, aber nicht mit körperlicher Gewalt – sondern rein psychologisch, so wie es auch innerhalb eines Rudels passiert. Und auch das nur als letztes Mittel, hat der Hund etwa versucht zu beißen, bleibt ihm nichts anderes übrig. Dass die Hunde danach Reaktionen wie Zittern oder Unsicherheit zeigen, ist völlig normal. Sie erfahren zum ersten Mal seit langem eine konsequente Führung und das Hundehirn braucht seine Zeit um es zu verarbeiten und abzuspeichern. Diese Reaktionen halten aber nicht lange an, die Entspannung folgt auf der Pfote und darauf wird dann aufgebaut.
  • “Er zwingt die Hunde auf s Laufband!” –> Ja, er benutzt es oft in seinen Sendungen. Warum? Weil die Besitzer zu faul sind ihre Hunde entsprechend draußen zu bewegen und ihnen Beschäftigung zu verschaffen. Auch hier geht er nicht brutal vor, aber er zeigt ihnen konsequent wie sie sich mit Hilfe des Laufbandes entspannen und auch auspowern können.
  • “Seine sozialisierten Hunde sind tickende Zeitbomben, er hat sie nur kurzfristig in eine unterwürfige Haltung/ Entspannung gezwungen!” –> Aha, und darum sieht man auch nach Jahren noch zufriedene Hunde und Halter, nachdem er ihnen geholfen hat sich richtig zu verhalten? Es ist eine lebenslange Aufgabe mit einem Hund zu arbeiten, von den Besitzern hängt der Erfolg ab. Fallen sie in alte Muster zurück, wird es auch der Hund tun.
  • “Er zerrt permanent an der Leine!” –> Nein, das tut er nicht. Aber er korrigiert an der Leine. Was ist nun angenehmer für Hund und Herrchen: Wenn der Hund dem Halter fast die Arme ausreißt, weil er sich bei jedem Spaziergang mit aller Kraft in die Leine hängt? (Was das dauerhaft für Folgen für den Hals oder Brustkorb des Hundes, bzw. die Bandscheiben des Halters hat, muss ich wohl nicht extra erwähnen) ODER wenn der Hund durch einen kurzen Ruck davon abgehalten wird, eben dieses zu tun? Alternative dazu: stehen bleiben bis der Hund ruhig ist, erst dann weiter oder konsequent in die andere Richtung gehen bis der Hund aufhört zu zerren, erst dann wieder umdrehen (das Spielchen kann länger dauern 😉 ).
  • Wie oft wurde ich schon blöd angemacht, wenn Diego an etwas nicht vorbei wollte (z.B. ein Hund hinterm Zaun) und ich die Leine einfach festgehalten und ihn Kraft meiner Wassersuppe mitgezogen habe! Auf meine Frage, was sie dann tun würden bekam ich als Antwort: “Na stehen bleiben und dem Hund gut zureden und ihn streicheln!” Sehr schön, wie Cesar immer wieder vermittelt ist genau das der falsche Weg, da ich den Hund somit in seiner Angst bestärke! Als Rudelführer gehe ich vor und er muss mir folgen und mir somit auch vertrauen. Nach ein paar solcher Situationen hatte er das nötige Vertrauen und jeder Spaziergang wird ein Stück entspannter.

Cesar Millan ist für mich ein sehr guter Hundetrainer, was er vermittelt ist logisch, leicht verständlich und für jeden umsetzbar. Auch er macht Fehler wie jeder andere, im Gegensatz zu vielen hat er kein Problem diese auch zuzugeben und zu erläutern, was er hätte besser machen können. So z.B. bei einer Bulldogge mit der er schon eine Weile gearbeitet hat. Es lief sehr gut und genau da hätte er aufhören müssen. Er ging noch einen Schritt weiter und die Bulldogge schnappte nach ihm. Viele Besitzer haben keine Ahnung von der Mimik und den Reaktionen ihres Hundes, durch ihn wird man darauf sensibilisiert und kann entsprechend reagieren. Ohne sein Wissen müsste ich Diego wohl jedes Mal auf den Arm nehmen, wenn ein fremder Hund respektlos (auch schön öfter aggressiv!) frontal auf ihn zustürmt. Das würde Diego weiter verunsichern, da ich als Rudelführer die Situation nicht lösen konnte und auch seine Aggressivität steigern, da er von meinem Arm aus “über den Dingen steht”. So weiß ich genau, wie ich mich verhalten muss, kann den fremden Hund mittels Körpersprache blockieren und beide Hunde beruhigen. Anschließend wird zusammen ein paar Minuten gelaufen, damit sich die Hunde von der Seite kennen lernen und dabei weder anstarren noch zu nahe kommen können – so lässt man erst gar keine Spannungen aufkommen!

Noch ein wichtiger Punkt, es gibt genug Trainer im deutschen Fernsehen die ängstliche Hunde fast zu Tode starren oder sie bei nicht korrektem Verhalten mit Wasser bespritzen – das ist Bestrafung und seelische Gewalt am Hund! Komischerweise sieht das kaum jemand, es wird als völlig normal hingenommen und ohne Rücksicht praktiziert.

Noch ein wichtiger Punkt über den die Kritiker mal nachdenken sollten: Welcher Halter oder Trainer schafft es mit einem ausgeglichenen Rudel von bis zu 40 Hunden ohne Halsband und Leine spazieren zu gehen..? Eben 😉