“Happy Face”

Oder: die ungeschönte Wahrheit. Für alle Klugscheißer da draußen (ja, besonders die aus dem engsten Familien- und Freundeskreis) wird es wohl an der Zeit für diesen Beitrag. Und ein Foto. Ein Foto, was mich zeigt – am Limit dessen, was ich an Schmerzen und medikamentösen Nebenwirkungen ertragen kann. Ein Foto was ungeschönt offenbart wie ich mich tagtäglich fühle. Wie ich aussehe, wenn ich mich unbeobachtet fühle. Wenn ich alleine bin. Wenn ich mein öffentlichkeitstaugliches Happy Face ablege. Ihr glaubt nicht, dass es Fibromyalgie (oder auch andere “unsichtbare” Krankheiten) gibt? Nur weil man sie nicht auf den ersten Blick erkennt? Nur weil Menschen wie ich euch nicht jede Minute damit behelligen wollen und versuchen zu verstecken wo wir können? Dann schaut es euch an. Die Wahrheit. Meine Wahrheit. Es hat Jahre gedauert bis ich mich selbst damit anfreunden konnte dass es eben so ist wie es ist. Da ist es wenig hilfreich, wenn man ständig Vorwürfe hört, dass man die Krankheit vorschiebt weil man zu faul ist. Dass man Verabredungen aus Spaß an der Freude absagt oder man einfach als Simulant abgestempelt wird. Im Moment fällt es mir sehr schwer auch nur ein paar Minuten am Stück zu sitzen. Ich halte es eigentlich nur aus, wenn ich ständig in Bewegung bin. Nicht leicht, wenn einem so schwindlig ist, dass man meint bei jedem zweiten Schritt einfach umzufallen. Als würden hunderte fies pinkelnder Ameisen über den ganzen Körper laufen. 24 Stunden am Tag. An Schlaf ist kaum zu denken. Mutti pendelt mich aus, damit der ganze negative Mist raus kommt. Es ist zur Zeit das Einzige was hilft. Wenigstens lindert es etwas. Ich laufe gleich wieder los. Mit den Hunden. Zur Apotheke. Wala Aconit Schmerzöl.

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Flower Power 17

B3

Es gibt ja so Tage, die möchte man direkt wieder aus dem Kalender streichen. Gestern war so einer. Dabei hat er so schön angefangen. Das Wetter war auch toll, die Zwerge waren brav und wir hatten am See eine schöne Zeit. Sogar zum Stricken bin ich gekommen. Und hab mich auf einen entspannten Abend auf der Couch gefreut. Tja, da hatte wohl wer was dagegen… Seit ich ca. 12 Jahre alt bin, hab ich immer wieder Schmerzen im Brustkorb, linke Seite. Bei der kleinsten Bewegung habe ich höllische Schmerzen die von der untersten Rippe aus hochstrahlen. Es kommt wie aus dem Nichts und ist oft auch genauso schnell wieder vorbei. Leider nicht immer… ich habe schon Stunden damit angesessen. Vor allen Dingen nachts. Das schlimmste daran ist, dass ich nur ganz flach und langsam atmen kann. Gestern hab ich gedacht ich platze vor Schmerzen. Und ich musste auf s Klo. Wirklich dringend. Also hab ich versucht mich langsam aufzusetzen und von der Couch zu kommen. Hat ungefähr ne halbe Stunde gedauert und die Tränen sind gelaufen. War ich froh, dass es kurz danach aufgehört hat… da war ich dann aber so geschafft, dass ich nur noch ins Bett wollte… Manchmal denke ich, ein Herzinfarkt wird sich ähnlich anfühlen. Aber ich hab auch Angst da näher nachgucken zu lassen. Bis jetzt hab ich mich mit den Aussagen der meisten Ärzte getröstet – dass es “nur” von den Muskeln her kommt und nicht weiter schlimm sei…Ich weiß von einigen Fibromyalgie-Patienten aus Amerika, dass diese auch darunter leiden. Hoffentlich habe ich jetzt wieder eine Weile Ruhe vor diesen Schmerzen…