Cesar Millan

Vor einigen Monaten habe ich bereits auf elementare Fehler in der Hundeerziehung hingewiesen und eine Liste mit wichtigen “Grundregeln” zusammen gestellt, die jeder Hundehalter befolgen sollte: http://wolke205.wordpress.com/2012/10/12/fehler-in-der-hundeerziehung/

Bevor ich zu Cesar komme, möchte ich die Liste noch um einen Punkt ergänzen: Viele Menschen benutzen Flexi-Leinen (wir oft auch neben den Schleppleinen). An der kurzen Leine sollte der Hund nie ziehen oder drängeln, er geht idealerweise etwas hinter uns oder daneben. Für Flexi- und Schleppleinen sollten wir dem Hund verschiedene Kommandos beibringen, damit er weiß wann er dicht bei uns bleiben soll (z.B. Fuß) und wann er die Weite der Leine auch selbständig ausreizen und sich bewegen darf (Und los! oder Jetzt lauf!). Bei der Flexileine funktioniert es besonders gut, da der Hund hier zusätzlich zum Kommando das Geräusch hat, wenn man die Leine feststellt bzw. das Knacken, wenn man sie vollständig löst. Bitte achtet auch hier darauf, dass die Hunde unbeding an kurzer, bzw. festgestellter Leine laufen, wenn Ihr an Straßen geht oder diese überquert! Einmal nicht aufgepasst und schon steht der Hund mitten auf der Straße…

In den letzten Wochen häufen sich auf Facebook und in Foren die Diskussionen um Cesar Millan, einige Verbände von Hundetrainern fordern die Einstellung der Sendung auf SIXX. Diesem kann ich mich nicht anschließen. Für alle Keyboard – Warrior (“Tastatur-Krieger”) die sich fast ausschließlich via Youtube informieren oder das nachplappern was sie mal aufgeschnappt haben und nicht mal eine handvoll Folgen gesehen haben; werde ich nun Punkte erläutern die gerne bei ihm kritisiert werden. Natürlich auch für alle Interessierten die ihn nicht kennen oder sich noch nicht mit ihm beschäftigt haben🙂

  • Eins gleich vor weg: es sind extreme Fälle die er in seinen Sendungen sozialisiert. Sie wurden oft jahrelang falsch behandelt von ihren Haltern, traumatisiert und in fast allen Fällen kennen sie kaum körperliche Auslastung, oft besteht der regelmäßige Spaziergang aus einer Runde um den Block…Wenn man sich an die in meinem anderen Beitrag genannten Grundregeln hält, kommt es erst gar nicht dazu.
  • “Er schlägt und tritt die Hunde, würgt sie mit den Leinen und Halsbändern oder unterwirft sie, bis sie sich nass machen!” –> Wer einen Tritt oder Schlag nicht von einer kurzen, schnellen Berührung unterscheiden kann, sollte seine Augen untersuchen lassen. Habt ihr mal gesehen, wie sich Hunde untereinander maßregeln? Sie benutzen Pfoten, Schnauze, den ganzen Körper. Er macht es nicht anders. Dass die Hunde in der Situation mal quietschen, ist völlig normal. Aber nicht, weil es ihnen weh tut, sondern weil sie überrascht sind und aus ihrer Konzentration gerissen werden. Zudem weist er auch hier darauf hin, dass es nur eine kurze, schnell Berührung sein darf und vor allen Dingen wo sie erfolgen sollte um einen Hund nicht zu verletzen. Wahr ist, dass er das benutzt, was er in den Haushalten vorfindet – also Halsbänder, Leinen, auch die Korrekturleine die er benutzt hat eine Würgefunktion. Er selbst spricht sich dagegen aus, aber mal ehrlich, bei einem aggressiven Hund der sich und andere schwer verletzen kann, was bleibt ihm anderes übrig? Sicherheit geht vor und die Hunde verstehen sehr schnell worum es geht und das sie für ruhiges Verhalten Entspannung und positive Bestätigung erfahren. Ja, er unterwirft Hunde, aber nicht mit körperlicher Gewalt – sondern rein psychologisch, so wie es auch innerhalb eines Rudels passiert. Und auch das nur als letztes Mittel, hat der Hund etwa versucht zu beißen, bleibt ihm nichts anderes übrig. Dass die Hunde danach Reaktionen wie Zittern oder Unsicherheit zeigen, ist völlig normal. Sie erfahren zum ersten Mal seit langem eine konsequente Führung und das Hundehirn braucht seine Zeit um es zu verarbeiten und abzuspeichern. Diese Reaktionen halten aber nicht lange an, die Entspannung folgt auf der Pfote und darauf wird dann aufgebaut.
  • “Er zwingt die Hunde auf s Laufband!” –> Ja, er benutzt es oft in seinen Sendungen. Warum? Weil die Besitzer zu faul sind ihre Hunde entsprechend draußen zu bewegen und ihnen Beschäftigung zu verschaffen. Auch hier geht er nicht brutal vor, aber er zeigt ihnen konsequent wie sie sich mit Hilfe des Laufbandes entspannen und auch auspowern können.
  • “Seine sozialisierten Hunde sind tickende Zeitbomben, er hat sie nur kurzfristig in eine unterwürfige Haltung/ Entspannung gezwungen!” –> Aha, und darum sieht man auch nach Jahren noch zufriedene Hunde und Halter, nachdem er ihnen geholfen hat sich richtig zu verhalten? Es ist eine lebenslange Aufgabe mit einem Hund zu arbeiten, von den Besitzern hängt der Erfolg ab. Fallen sie in alte Muster zurück, wird es auch der Hund tun.
  • “Er zerrt permanent an der Leine!” –> Nein, das tut er nicht. Aber er korrigiert an der Leine. Was ist nun angenehmer für Hund und Herrchen: Wenn der Hund dem Halter fast die Arme ausreißt, weil er sich bei jedem Spaziergang mit aller Kraft in die Leine hängt? (Was das dauerhaft für Folgen für den Hals oder Brustkorb des Hundes, bzw. die Bandscheiben des Halters hat, muss ich wohl nicht extra erwähnen) ODER wenn der Hund durch einen kurzen Ruck davon abgehalten wird, eben dieses zu tun? Alternative dazu: stehen bleiben bis der Hund ruhig ist, erst dann weiter oder konsequent in die andere Richtung gehen bis der Hund aufhört zu zerren, erst dann wieder umdrehen (das Spielchen kann länger dauern😉 ).
  • Wie oft wurde ich schon blöd angemacht, wenn Diego an etwas nicht vorbei wollte (z.B. ein Hund hinterm Zaun) und ich die Leine einfach festgehalten und ihn Kraft meiner Wassersuppe mitgezogen habe! Auf meine Frage, was sie dann tun würden bekam ich als Antwort: “Na stehen bleiben und dem Hund gut zureden und ihn streicheln!” Sehr schön, wie Cesar immer wieder vermittelt ist genau das der falsche Weg, da ich den Hund somit in seiner Angst bestärke! Als Rudelführer gehe ich vor und er muss mir folgen und mir somit auch vertrauen. Nach ein paar solcher Situationen hatte er das nötige Vertrauen und jeder Spaziergang wird ein Stück entspannter.

Cesar Millan ist für mich ein sehr guter Hundetrainer, was er vermittelt ist logisch, leicht verständlich und für jeden umsetzbar. Auch er macht Fehler wie jeder andere, im Gegensatz zu vielen hat er kein Problem diese auch zuzugeben und zu erläutern, was er hätte besser machen können. So z.B. bei einer Bulldogge mit der er schon eine Weile gearbeitet hat. Es lief sehr gut und genau da hätte er aufhören müssen. Er ging noch einen Schritt weiter und die Bulldogge schnappte nach ihm. Viele Besitzer haben keine Ahnung von der Mimik und den Reaktionen ihres Hundes, durch ihn wird man darauf sensibilisiert und kann entsprechend reagieren. Ohne sein Wissen müsste ich Diego wohl jedes Mal auf den Arm nehmen, wenn ein fremder Hund respektlos (auch schön öfter aggressiv!) frontal auf ihn zustürmt. Das würde Diego weiter verunsichern, da ich als Rudelführer die Situation nicht lösen konnte und auch seine Aggressivität steigern, da er von meinem Arm aus “über den Dingen steht”. So weiß ich genau, wie ich mich verhalten muss, kann den fremden Hund mittels Körpersprache blockieren und beide Hunde beruhigen. Anschließend wird zusammen ein paar Minuten gelaufen, damit sich die Hunde von der Seite kennen lernen und dabei weder anstarren noch zu nahe kommen können – so lässt man erst gar keine Spannungen aufkommen!

Noch ein wichtiger Punkt, es gibt genug Trainer im deutschen Fernsehen die ängstliche Hunde fast zu Tode starren oder sie bei nicht korrektem Verhalten mit Wasser bespritzen – das ist Bestrafung und seelische Gewalt am Hund! Komischerweise sieht das kaum jemand, es wird als völlig normal hingenommen und ohne Rücksicht praktiziert.

Noch ein wichtiger Punkt über den die Kritiker mal nachdenken sollten: Welcher Halter oder Trainer schafft es mit einem ausgeglichenen Rudel von bis zu 40 Hunden ohne Halsband und Leine spazieren zu gehen..? Eben😉

7 thoughts on “Cesar Millan

  1. Hallo Frauke, dann muss ich das nicht machen!! Sehr gut, 100% ige Übereinstimmung von meiner Seite. Wenn jemand mal gesehen hat, wie “brutal” eine gute Hundemama ihre Welpen erzieht, dagegen ist das eh dann alles Pippiquatsch. Da sollte man den meisten Müttern die Welpen wegnehmen da sie sie körperlich maßregelt. Aber, Hauptsache unseren traumatisierten Hunden geht es gut 🙂

    • Absolut!! Vor allen Dingen, wie kann die böse böse Hundemama sich wagen ihre Welpen einfach ohne einen Mucks allein zu lassen, oft für Stunden? Wo wir doch alle wissen, dass viele Hunde aufgrund ihrer “Trennungsängste” nicht allein bleiben können..!!😉 Grad bei kleinen Hunden hör ich immer wieder: die müssen nicht hören, die sind doch so süß! Und weil wir Diego am ersten Tag spielerisch Sitz beigebracht haben, wurden wir ja schon fast als Tierquäler bezeichnet, lach. Liebe Grüße

  2. Ich stimme Dir voll und ganz zu. Hie und da gabs mal Kleinigkeiten, die mir nicht so gefallen haben, aber da hab ich bei anderen Hundeerziehungs-Sendungen viel mehr und ärgeres gesehen. Ich finde, er geht wirklich gut und entspannt mit Hunden um.
    Ich habe es immer bewundert, wenn er z.B. einen hundeunverträglichen Hund mit zu seinem Rudel nahm. Ganz ohne Leine, ohne Vorsichtsmaßnahmen. Er hat die Hunde meist einfach nicht beachtet und es klappte! Ich würde mir so etwas nicht trauen, weil ich befürchten würde, es würde zu einer Massenrauferei kommen. Aber er zeigt seine Sicherheit und es funktioniert.

    So Sachen wie Hund erschrecken, mit Wasser oder sonst was, so wie es oft in anderen Sendungen gezeigt wird, die find ich auch nicht gut.

    Wie gesagt, es ist vielleicht nicht immer alles für jeden nachvollziehbar oder das wahre Richtige, aber man kann bei der Sendung und seinen Erklärungen sehr viel “mitnehmen”.

    LG Gabi

  3. Diesen Hundetrainer kenne ich gar nicht – habe ich wohl bei der Flut an Hundeerziehungs-TV-Formaten glatt verpasst …Aber nun schaue ich mal in die Fernsehzeitung, damit ich mitreden kann. Wann kommt seine Sendung? 1001 Grüße von Lucys Frauchen

  4. Sorry , aber das gefällgt mir nicht. Ich möchte hier aber keine Diskussion über die Erziehungsmethoden des C M diskutieren , denn ich möchte mich weder mit dir noch mit anderen C.M Fans streiten . Ich spreche nur für mich : Vieles was er erzählt und vieles wie er es handhabt hat nichts mit Hundeerziehung zu tun , sondern ist pure Gewalt ! Psychisch wie auch physisch . Würgehalsbänder sind für mich ein No Go . Und es geht auch anders , auch mit aggressiven Hunden .
    Liebe Grüsse Anja

    • Das sehe ich völlig anders. Aber das habe ich im Beitrag auch schon eingehend beschrieben und möchte mich hier nicht wiederholen. Würgehalsbänder sind auch für mich ein NoGo – aber ich kann verstehen, dass er sie in der Phase der Resozialisierung verwendet. Für die meisten Hunde die er betreut gibt es nur noch zwei Möglichkeiten – sie lernen sich wie ein normaler Hund zu verhalten, oder sie werden getötet. Was ist Dir da lieber? Es geht ja auch um die Sicherheit von Mensch und Tier im Umfeld. Natürlich gibt es viele Wege die nach Rom führen, leider gibt es weder genug Trainer noch Halter die dazu in der Lage sind. So werden auch unsere Tierheime weiter voll von aggressiven Hunden sein, die der Mensch so gemacht und die nie wieder da raus kommen😦

      Liebe Grüße, Frauke

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